Sie erwägen ein Elektroauto zu kaufen? 

Unser Ratgeber hilft Ihnen das richtige Elektroauto zu finden.

Aktualisiert: 10. Juli 2016

Soll es ein neues oder gebrauchtes Elektroauto sein?

Diese Frage gilt es in der Regel als erstes zu beantworten. Die vorliegende Hilfestellung bezieht sich vorwiegend auf Neuwagen. Kommt für Sie nur ein gebrauchtes Elektroauto in Frage so dient Ihnen hoffentlich unsere Kaufanleitung für gebrauchte Elektroautos (in Bearbeitung). Wie bei herkömmlichen Fahrzeugen hat der Neuwagenkauf den Vorteil sein Fahrzeug den Bedürfnissen entsprechend konfigurieren zu können. Ein weiterer Aspekt ist die gewährte Garantiezeit auf Fahrzeug inklusive Batterie die bei einem Neuwagen entsprechend länger ist. Ist der Zustand der Batterie bei Neuwagen wohl kaum ein Thema, so muss dieser Komponente beim Gebrauchtwagenkauf besondere Beachtung geschenkt werden. Aufgrund der soliden Batterietechnik die mittlerweile bei gängigen Elektroautos verbaut wird, sollte es jedoch kein Problem sein auch bei Gebrauchtwagen Fahrzeuge mit einwandfreiem Akku zu finden. Weit mehr als die Qualität der Fahrzeuge und Antriebsbatterien dürfte die Generation des Elektroautos einen Einfluss auf den Preis haben. Wir unterscheiden die folgenden Fahrzeug-Generationen:
- 1. Generation: die Pionierfahrzeuge, also z.B. Fahrzeuge die bis 2007/08 hergestllt wurden. Oft noch mit Blei- und NiCd Zellen.
- 2. Generation: Fahrzeuge wie der Think City oder Tesla Roadster, respektive Fahrzeuge die erstmals Lithium Ionen Akkus verwendeten.
- 3. Generation: Schnelladefähige Fahrzeuge von grösseren Herstelleren ab ca. 2012 , z.B. Renault ZOE, Tesla Motors Model S, BMW i3. Reichweiten ca. 200km (Tesla Modelle ausgenommen).
- 4. Generation: Fahrzeuge welche die 300km Reichweitengrenze knacken, also z.B. Opel Ampera-e, Tesla Motors Model 3
Auch wenn die 300km Grenze in Kürze für viele Modelle Tatsache werden dürfte, so wird es wohl auch weiterhin möglich sein Modelle mit kleineren Akkus zu kaufen. Mehr dazu im Kapitel Reichweite.
Da die technische Entwicklung bei Elektrofahrzeugen vor allem im Bereich des Antriebstranges und der Ladetechnik eher zügig voranschreitet, muss damit gerechnet werden dass mit jeder neuen Generation ein bestimmter Wertverlust unvermeidlich ist.

Batterietechnik

Eine Garantie auf die Antriebsbatterie ist zwischenzeitlich Standard. Beträgt diese 8 Jahre oder 100'000km dann ist das etwas was man heute erwarten darf. Erweiterte Garantien sind aber durchaus möglich. So gewährt z.B. Hyundai auf die Akkuzellen des neuen Ioniq electric eine Garantie von 200'000km oder 8 Jahre. Es lohnt sich also hier genau nachzufragen. Allerdings ist zu beachten dass eine normale gealterte Batterie noch keinen Garantiefall darstellt. In der Regel wird eine Batterie erst zu einem Garantiefall wenn die Kapazität unter 70% innerhalb der gewährten Garantiezeit fällt.
Momentan setzen alle namhaften Hersteller auf Lithium-Ionen Batterien. Innerhalb dieses Segments gibt es eine Vielzahl an Ausführungsformen, z.B. Lithium-Polymer oder Lithium-Mangan Akkumulatoren. Alle haben Vor- und Nachteile, aus Anwendersicht sind sie jedoch alle einfach zu handhaben. Vorbei sind die Zeiten als man noch einen Memory-Effekt wie bei den Ni-Cd Zellen beachten musste. Weiss man allerdings etwas mehr über die im Fahrzeug verbaute Batterie so ist dies sicher zum Vorteil bezüglich Batteriealterung und ihrem Geldbeutel. Die meisten Typen von Li-Ionen Batterien mögen es nicht wenn Sie allzu lange leer oder prall voll geladen rumstehen müssen. Auch Schnellladungen lassen Zellen schneller altern. Ein langsames Laden und ein SOC (state of charge, Ladezustand) von ca. 40-60% bei längerem Stillstand (mehrere Tage) helfen das Batterieleben zu verlängern. Damit die Batteriealterung im Rahmen bleibt haben Elektroauto-Hersteller einen Schutz eingebaut, d.h. es lässt sich jeweils nicht die volle Batteriekapazität nutzen. So kann ungewollten Ladezuständen entgegengewirkt werden. Damit ist also auch bei weniger schonender Handhabung eine akzeptable Lebenserwartung der Batterie gewährleistet.

Anschaffungs- und Betriebskosten

Der Anschaffungspreis eines neuen Elektroautos sind momentan noch etwas höher im Vergleich zu Modellen mit fossil betriebenen Antriebsaggregaten. Die betreibskosten eines Elektroautos sind jedoch um einiges tiefer. Grund: Ein Elektrofahrzeug hat weitaus weniger Teil die Wartung benötigen (keine Auspuffanlage, Nockenwelle, Ventile, usw.). Wird das Auto also lange und weit genug gefahren, so egalisiert sich dieser Unterschied. Bei hohen jährlichen Kilometerleistungen dürfte ein Elektroauto sogar günstiger kommen. Evtl. kommen Sie in den Genuss von Förderbeiträgen. Einen staatlichen Beitrag gibt es in der Schweiz jedoch nicht. Vergünstigungen bei den Motorfahrzeugsteuern oder bei Versicherungen sind jedoch üblich.

Einsatzbereich & Reichweite

Beim Kauf eines Elektroautos lohnt es sich, einige Überlegungen zum Einsatzbereich resp. zur geforderten Reichweite zu machen. Setzen Sie das geplante Elektroauto hauptsächlich für den Arbeitsweg ein, so reicht vielleicht auch ein Wagen mit weniger Reichweite. Reichweite kostet bei Elektroautos Geld da die Batteriekapazität ein wichtiger Kostenfaktor darstellt. Fahren Sie an einem Tag regelmässig mehr als die mit einer Batterlieladung mögliche Reichweite, so ist ein Fahrzeug mit höherer Reichweite womöglich sinnvoller. Eine Schnellladung dauert oft nicht länger als 30-60 Minuten. Doch wird dadurch der Tag durch diese Notwendigkeit regelmässig verlängert, so macht dies auf die Dauer wenig Spass. Eine andere Variante könnte sein, dass Sie Arbeitsort, Pausen, Mittagessen oder Kundenbesuch dazu nutzen nachzuladen. Die vom Hersteller angegebene Reichweite ist immer mit etwas Vorsicht zu geniessen. Wie praxisnah diese ist hängt u.a. auch vom Hersteller selber ab. Es ist empfehlenswert die täglich benötigte Reichweite nicht zu knapp zu kalkulieren. Rechnen Sie die verminderte Reichweite bei kalten Temperaturen mit ein. Zudem wird die Heizung und Klimaanlage zusätzlich Strom brauchen. Auch ein kurzer Abstecher nach der Arbeit sollte noch drin liegen. Und: Batteriezellen altern. Und zwar ob sie gebraucht werden oder nur lagern.
Einen praxistauglichen Reichweiten-Wert bekommt man indem man vom NEFZ-Wert rund einen Drittel abzieht. Dies entspricht dann in etwa dem US Zyklus EPA (Environmental Protection Agency) Wert.


Rechenbeispiel 1: Renault ZOE R240

Das R240 steht für die Reichweite bei Renault. Sie entspricht dem NEFZ (Neuer europäischer Fahrzyklus).
Dieser ist jedoch nicht wirklich praxistauglich und entspricht eher Werten aus dem Labor...U.a. wird mit einer Aussentemperatur von gut 20 Grad Celsius gerechnet.
NEFZ: 240km
EPA: keine Angabe
Realistische Reichweite Sommer: 170km (volle Kapazität)
Realistische Reichweite Winter: 125km (volle Kapazität)
Batteriealterung: Die Batterie kann nur geleast werden. Renault tauscht die Batterie aus wenn die Batteriekapazität unter 75% ihrer ursprünglichen Kapazität fällt,
Das heisst, rechnet man noch die Batteriealterung hinzu (Restkapazität 75%) so erhalten wir knapp 100km.
Minimale Reichweite mit Alterung und Winterbetrieb eingerechnet: 100km

Rechenbeispiel 2: Tesla Motors Model 90D
NEFZ: 557km
EPA: 435km
Reichweite Winter (-10C) mit Heizung bei konstant 100km/h: 412km (Angabe Tesla Motors)
Realistische Reichweite Winter: 350km (bei ca. 20% Verlust, konservative Annahme des Autors)
Batteriealterung: Tesla Motors gewährt auf das Modell 90D eine 8-jährige Garantie auf die Batterie ohne Kilometerbegrenzung. Ich konnte nicht eruieren, wann die Batterie getauscht würde. Man darf jedoch annehmen spätestens wenn nur noch 70% der Kapazität vorhanden sind. Rechnen wir mit 75% dann ergeben sich daraus 262km.
Minimale Reichweite mit Alterung und Winterbetrieb eingerechnet: 260km

Wichtige Anmerkung: Die gefahrene Geschwindigkeit auf der Autobahn hat einen entscheidenden Einfluss auf den Verbrauch. Fährt man nur 100km/h anstelle 120km/h sind Einsparungen von gegen 20% möglich. 

Ladetechnik & Steckertypen

Für Fahrer von Elektroautos ist die verbaute Ladetechnik ein wichtiger Punkt. Denn diese bestimmt wie einfach und schnell ein Elektroauto auf grösseren Distanzen (auswärts) aufgeladen werden kann. Man unterscheidet zwischen einer Gleichstrom (DC) oder einer Wechselstriom (AC) Ladung. Beim Laden mit Wechselstrom wird der Ladestrom über ein im Elektrofahrzeug eingebautes Ladegerät in Gleichstrom umgewandelt. Beim Laden mit Gleichstrom ist das Ladegerät stationär ausshalb des Fahrzeuges vorhanden. Die Ladestation wandelt dabei Wechselstrom in Gleichstrom um und gibt diese an das Fahrzeug ab. Mit einer Gleichstrom-Ladung sind im Vergleich zu einer AC-Ladung höhere Ladeleistungen möglich. Mometan schon recht weit verbreitet sind 50kW DC-Lader. Ladestationen die eine Ladung mit Wechselstrom ermöglichen sind zahlenmässig klar in Überzahl da Wechselstrom fast überall an Steckdose vorhanden ist. Für eine Schnellladung mit Wechselstrom braucht es einen dreiphasigen Anschluss der entsprechend abgesichert ist. Damit sind Ladeleistungen bis 43kW möglich.
Steckertypen:

a) Typ 1 Stecker (für AC Ladung)
Einphasiger Stecker für Ladeleistungen bis 7.4 kW (230V / 32A). Asiatische Automodelle verwenden teilweise diesen Steckertypen. Ladesäulen mit fest angebrachtem Typ 1 Stecker sind in Europe daher eher selten.

b) Typ 2 Stecker (für AC Ladung)
Weit verbreiteter Stecker in Europa der als Standard festgelegt wurde. Für Privatanschlüsse sind Leistungen bis 22kW (400V / 32A) gängig. An öffentlichen Ladestationen sind Ladeleistungen bis 43kW (400V / 63A) installiert. An den öffentlichen Ladesäulen ist meistens ein Typ 2 Stecker vorhanden. Daran kann jedes Mode 3 Kabel angeschlossen werden, d.h. es können Elektroautos mit Typ 1 und Typ 2 Steckern geladen werden. An der Ladestation angebrachte Mode 3 Kabel haben einen sog. Mennekes Stecker (Typ 2).

c) Kombistecker (CCS combined charging system)
Hier wird der Typ 2 Stecker um zwei weitere Leitungskontakte ergänzt. Damit wird ein AC- und DC-Laden bis 170kW möglich. Beim DC Laden sind es jedoch in der Praxis meistens nur ca. 50kW. Die AC-Ladung ist abhängig vom im Fahrzeug eingebauten Ladegerät. 

d) CHadeMO Stecker
Ein Stecker-System das vor allem von asiatischen Fahrzeugen verwendet wird und in Japan entwickelt wurde. Es werden DC-Ladeleistungen bis 100kW unterstützt. Vielerorts sind jedoch nur Ladeleistungen von 50kW  installiert.

e) Tesla Supercharger
Hierfür wird ein modifizierer Typ 2 Stecker verwendet. Es sind DC-Ladungen von bis zu 120 kW möglich. Damit wird ein Model S oder X innert 30 Minuten zu 80% aufgeladen. Bislang sind die Tesla Supercharger nur für Fahrzeuge von Tesla Motors zugänglich.
Aktueller Stand: MIt einem starken Wechselstrom Ladegerät (fahrzeugseitig) ist man momentan sehr flexibel (z.B. Renault ZOE, Tesla). Ladestationen die den CCS Standard verwenden sind noch dünn gesäht, jedoch im Aufwind. Den wohl schwersten Stand hat momentan der CHadeMO Stecker. Die grössten schweizerischen Ladenetzbetreiber installieren jedoch heute oft alle drei "Ladestandards", d.h. AC-Ladung mit Typ2 und DC-Ladung mit CCS resp. CHadeMo sind möglich.

Service & Unterhalt

Dieser Abschnitt ist relativ kurz, denn es fallen bei einem Elektroauto weniger Servicearbeiten an. Die Anzahl der verbauten Teile ist massiv kleiner, dementsprechend fällt auch die Wartung weniger ins Gewicht. Die Antriebsbatterie ist grundsätzlich wartungsfrei. Es ist jedoch praktisch einen versierten Unterhaltsbetrieb in der Nähe zu haben. Es sei denn man möchte selbst Hand anlegen. Für den Hochvoltbereich des Fahrzeuges ist dies aus Sicherheitsgründen jedoch nicht zu empfehlen. Überlassen Sie solche Arbeiten einem Fachmann.  

Weiteres

Hier möchten wir weitere Tips anfügen. Sie fahren selber Elektroauto und haben weitere Tips die Sie gerne hier erwähnt haben möchten? Kontaktieren Sie uns.
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